Prozess um Julian Assange – Entscheidung frühestens im Sommer

Prozess um Julian Assange – Entscheidung frühestens im Sommer

Dieser Tage werden die Schlagzeilen vor allem vom Prozess um den Hollywood Mogul Harvey Weinstein beherrscht. In den USA wird dieser Prozess gerne als Symbol für einen Paradigmenwechsel mit Blick auf die Macho Mentalität in Hollywood sowie in der Gesellschaft allgemein hochgehalten. Doch ein Prozess, den man in den USA am liebsten ganz unter dem Teppich verschwinden lassen würde, findet seit Montag ebenfalls statt. Und zwar in London. Dort wird weiterhin ausgehandelt, ob Wiki Leaks Gründer Julian Assange an die USA ausgeliefert werden soll.

Der Australier Assange ist schon seit Jahren auf der Flucht vor seinen Häschern, lebte gar sieben Jahre lang in der britischen Botschaft in Ecuador, ehe ihm dort das Asyl entzogen wurde. Assange und sein Rechtsbeistand wehren sich juristisch mit Haken und Ösen gegen eine Auslieferung in die USA. Denn Assange ist sich sicher, dass ihm Gerichte in den USA keinen fairen Prozess machen werden. Dort wirft man ihm unter anderem Spionage vor. Es sollen bis zu 170 Jahre Haft drohen. Derweil fanden sich zahlreiche Demonstranten vor dem Gerichtsgebäude in London ein, die lautstark die Freilassung Assanges forderten. Unter ihnen Julian Assanges Vater.

Land der begrenzten Meinungsfreiheiten

Für die US-Regierung ist die Causa Julian Assange, ebenso wie Edward Snowden oder Chelsea Manning, eine peinliche Angelegenheit. Mit Hilfe von Chelaea Manning, einer IT Spezialistin und ehemaligen Angehörigen der US-Streitkräfte, sammelte und veröffentlichte Julian Assange etliche peinliche Enthüllungen über die Weltmacht USA und deren außenpolitische Strategien. Dabei arbeiteten ihm zahlreiche Whistleblower, wie Chelsea Manning, zu. Chelsea Manning selbst sitzt gerade in den USA bereits seit bald einem Jahr in Haft, da sie sich standhaft weigert, gegen Assange auszusagen.

Zu den Enthüllungen durch Wiki Leaks, die unter anderem auch von respektierten Medien Einrichtungen, wie dem Spiegel, geprüft und als wahr befunden wurden, gehören unter anderem Dinge wie die „Irak- und Afghanistankriegs Protokolle“. Diese enthüllten weit höhere Opferzahlen in diesen Konflikten, als jene, die offiziell publiziert wurden. Ferner wurden Gräuel durch US-Streitkräfte und deren Verbündete aufgedeckt.

Die US-Regierung wirft Assange nun vor, durch seine Enthüllungen Informanten und Verbündete gefährdet sowie Datendiebstahl durch Hacking ermuntert zu haben. Jedoch kam noch kein Informant und kein Verbündeter nachweislich durch diese Enthüllungen zu Schaden. Auch Jahre später nicht! Die einzigen Informanten, denen es an den Kragen geht, sind ironischerweise jene von Assange. Wie Chelsea Manning. Das, was Assange im Grunde genommen vorgeworfen wird, könnte auch einen gut vernetzten Journalisten passieren. Und das in dem Land, das sich vor allem Anderen am liebsten die Meinungsfreiheit auf die Fahne schreibt.

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