Kai Gehring: Afrika-Strategie fehlt ein klarer Fokus

Kai Gehring: Afrika-Strategie fehlt ein klarer Fokus

(BJP) Kai Gehring: Afrika-Strategie fehlt ein klarer Fokus. Bildungs- und Wissenschaftskooperation mit Afrika: Der Fokus und die ministeriumsübergreifende Gesamtstrategie fehlen. Zur heute vorgestellten Afrika-Strategie des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) erklärt Kai Gehring, Sprecher für Forschung, Wissenschaft und Hochschule:

Afrika benötigt dringend bessere Bildungschancen und Jobperspektiven für die jungen Generationen, aber Ministerin Karliczeks Afrika-Strategie fehlt ein klarer Fokus, um endlich praktisch voranzukommen. Dass nun auch das Bildungsministerium eine einzelne Afrika-Strategie vorstellt, anstatt dass die Bundesregierung endlich eine kohärente Gesamtstrategie für Afrika entwickelt, zeugt vom Tunnelblick der Berliner Ministerien und ist eine erneut vertane Chance Mit Blick auf Afrika.

Unbestritten ist, dass ein echter Schwerpunkt der Bildungskooperation und eine engere und bestmögliche Zusammenarbeit bei Bildung, Wissenschaft und Forschung für Afrika essenziell ist. Viel zu lang hat sich das Bildungsministerium zudem allein auf klassische Kooperationsländer fokussiert. Wichtig für die Kooperation mit den afrikanischen Partnern sind transnationale Bildungsprojekte, Hochschulkooperationen und der Austausch von Menschen. Sie können Antreiber für Bildungsqualität und Wissenschaftsfreiheit sein und dafür gute Standards „Made in Germany“ in der Praxis verbreiten. Wichtig ist aber, dass mehr Deutsche ermuntert werden, in Afrika zu forschen, zu lehren oder zu studieren. Dazu lässt Ministerin Karliczek konkrete Ziele oder zukunftsgerechte Meilensteine vermissen.

Unbestritten leisten Wissenschaft, Forschung und Innovation wichtige Beiträge zur nachhaltigen gesellschaftlichen, ökologischen und ökonomischen Entwicklung der Länder Afrikas. Mit Bildung und Wissenschaft lassen sich jedoch nicht alle Entwicklungsprobleme vor Ort lösen. Anstatt dass jedes Ministerium seine eigene Weltpolitik verfolgt, braucht es eine ressort- und themenübergreifende Afrika-Strategie, idealerweise abgestimmt mit europäischen Partnern. Gemeinsam muss es darum gehen, strukturelle Reformen zu verabreden in Bereichen wie Handel, Landwirtschaft, Fischerei, Klimaschutz, Abrüstung und nicht zuletzt in Bildung und Wissenschaft. Es ist befremdlich, wie wenig die entscheidenden Bundesministerien gemeinschaftlich für bessere Chancen Afrikas bewegen.

Das Problem der wenig kohärenten Afrika-Strategie der einzelnen Ministerien ist ein ausgesprochener Tunnelblick. Unter anderem spielen die deutschen Auslandsvertretungen bei Karliczek keine Rolle. In den meisten deutschen Botschaften Afrikas gibt es keine Referentinnen bzw. Referenten für Bildungs- und Wissenschaftspolitik. Das lässt sich nur ändern, wenn Karliczek und Außenminister Maas an einem Strang ziehen. Zu einer aktiven Außenwissenschaftspolitik gehört Wissenschaftsdiplomatie zwingend dazu.

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Quelle: Pressemitteilung vom 12.11.2018
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