Justizministerin Spoorendonk übergibt Zuwendungsbescheid zur beruflichen Qualifizierung und Arbeitsmarktintegration von Gefangenen

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Justizministerin Spoorendonk übergibt Zuwendungsbescheid zur beruflichen Qualifizierung und Arbeitsmarktintegration von Gefangenen Anke Spoorendonk - schleswig-holstein.de - Olaf Bathke
(BJP) Justizministerin Anke Spoorendonk hat in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Neumünster einen Zuwendungsbescheid über 1,639 Millionen Euro an den TÜV Nord Bildung übergeben. Die Fördermittel werden für die Bereitstellung von 203 Plätzen in beruflichen Qualifizierungsmaßnahmen, vom EDV-Kurs bis zur Vollausbildung, in arbeitstherapeutischen Bereichen sowie für die arbeitsmarkt-orientierte Integrationsbegleitung an den Vollzugsstandorten Neumünster, Kiel und Lübeck bewilligt. ""Qualifizierung ist der Schlüssel für den Arbeitsmarktzugang. Wer keinen Schulabschluss hat, keine Berufsausbildung oder zumindest eine berufliche Teilqualifikation, der hat selbst ohne das Manko der Haft nur geringe Chancen. Die Rückfallwahrscheinlichkeit sinkt, wenn nach der Haft die Integration in den Arbeitsmarkt gelingt. Daher investieren wir in die schulische und berufliche Qualifizierung "

"im Vollzug, in eine eigene Schule, in eigene Betriebe und in Qualifizierungsbereiche externer Bildungsträger"", sagte Spoorendonk.

Der TÜV Nord Bildung ist ein bundesweit anerkannter Bildungsträger für Qualifizierung im Vollzug. Hochqualifizierte Ausbilderinnen und Ausbilder berücksichtigen die Fähigkeiten und Potentiale der Zielgruppe und ermöglichen durch ihre Hilfe die Chancen für eine (Re)Integration auf dem Arbeitsmarkt. Der TÜV Nord Bildung führt vorrangig berufliche Teilqualifizierungen in modularer Form durch und ergänzt damit das Angebot der Anstaltsbetriebe, die in der Regel Plätze in Vollausbildung vorsehen. Dafür werden insgesamt 32 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Vollzug eingesetzt, davon drei im Bereich der arbeitsmarktorientierten Integrationsbegleitung. Diese Integrationsbegleitung beginnt in den letzten Monaten vor der Haftentlassung und dauert bis zu sechs Monate über die Haftentlassung hinaus an. Der Schwerpunkt des nun geförderten Qualifizierungsangebots liegt in der JVA Neumünster, der zentralen Ausbildungsanstalt des Landes. 14 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des TÜV Nord Bildung bieten insgesamt ein Spektrum von 87 Qualifizierungsplätzen an. In den JVAen Lübeck und Kiel werden Diagnose- und Profilingeinheiten bzw. Orientierungseinheiten und EDV-Kurse angeboten. Hinzu kommen jeweils ein Bereich der Beruflichen Grundbildung sowie arbeitstherapeutische Maßnamebereiche.

An allen drei Standorten wird als duale Maßnahme die berufsorientierte Grundbildung angeboten (Arbeitstraining plus lebensweltorientierte schulische Unterrichtung). Das Anforderungsprofil liegt oberhalb des arbeitstherapeutischen Angebotes und unterhalb einer beruflichen (Teil)Qualifizierung. Es ist besonders geeignet für Gefangene, bei denen z.B. durch langjährige Suchtproblematiken oder soziale Verwahrlosung der nach dem formal vorhandenen Schul- oder Berufsabschluss zu erwartende Bildungsstand nicht mehr verfügbar ist. Lerninhalte und praktische Fähigkeiten sollen hier erneut vermittelt und eingeübt werden.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhalten nach der Maßnahmenteilnahme in der Regel eine qualifizierte Teilnahmebescheinigung, ein Zertifikat des Trägers oder der Handwerkskammer. Sofern eine Vollausbildung absolviert wird, ist ein Gesellen- oder Facharbeiterbrief erreichbar.

Hintergrund
Im schleswig-holsteinischen Justizvollzug besteht ein breites Angebot an schulischen und beruflichen Qualifizierungsangeboten für Gefangene. Das Spektrum reicht von Schulkursen (Erster Allgemeinbildender Schulabschluss, Deutsch als Zweitsprache, Alphabetisierung) über Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen und berufliche Teilqualifizierungen in verschiedenen Gewerken sowie EDV-Kursen bis hin zur Vollausbildung in handwerklichen Berufen. Das Angebot der berufsorientierten Grundbildung mit arbeitstrainierenden und schulischen Grundbildungsanteilen als auch arbeitstherapeutischen Bereichen wurde in den vergangenen Jahren kontinuierlich ausgebaut. Von den landesweit derzeit bis zu 430 Plätzen werden rund 275 durch externe Bildungsträger angeboten.

Quelle: mjke.schleswig-holstein.de

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